Sieben Stufen der Bewusstseinsentwicklung

Zum Verständnis der Kommentare zu den 40 Regeln der Liebe werden hier die sieben Stufen der Kulturentwicklung und der integralen Heilung aus meinem Buch beschrieben: "Vom Mut zu wachsen - Sieben Stufen der integralen Heilung" (Kamphausen Verlag September 2011)

 

 

 

 

 

 

1. Stufe (tribal):

Der Mensch ist ein gemeinschaftsbildendes Wesen (ein zoon politicon nach Aristoteles). Ohne das Zusammenleben mit anderen Menschen könnte er nicht überleben. Auch die nächsten Verwandten des Menschen, die Primaten, sind ausgeprägte Gruppentiere. Um die Gruppenstruktur zu sichern, entwickeln die Menschen Rituale und soziale Regeln. Die Tradition spielt eine mächtige Rolle, und die Informationsweitergabe geschieht vor allem durch das Erzählen. Der Einzelne ordnet sich der Gruppe unter. Die Älteren haben Vorrang vor den Jüngeren. Der Lebensraum ist überschaubar, die Verbindung zur Natur ist sehr eng.

2. Stufe (emanzipatorisch-individualistisch) – ab ca. 10 000 v.Chr.:

Die Entwicklung der Landwirtschaft bewirkt einen Bruch mit der tribalen Lebensweise und deren Traditionen. Dadurch wird es möglich, dass einzelne Individuen aus der Geschlossenheit der traditionellen Stammesgruppe heraus treten, die in der Mythologie als Helden bezeichnet werden. Sie stellen die Traditionen in Frage und wollen neue Werte setzen. Sie streben nach Unabhängigkeit und individueller Freiheit. Sie entwickeln starke Emotionen als Antrieb für ihr Handeln. In der Geschichte treten sie uns mit den ersten überlieferten Eigennamen entgegen.

3. Stufe (bürokratisch-hierarchisch) – ab ca. 3 000 v.Chr.:

Der Expansionsdrang der Helden stößt an Grenzen und muss neuen Ordnungssystemen Platz machen. Es entstehen Staatsgebilde und Großreiche, die mit Hilfe von hierarchischen Strukturen eine große Anzahl von Untertanen beherrschen. Die Emotionen werden von Gesetzen eingedämmt. Die Gewalt wird monopolisiert. Der Staat wird erfunden und perfektioniert. Hochreligionen finden weite Verbreitung.

4. Stufe (materialistisch) – ab ca. 1500 n.Chr.:

Auf dieser Stufe werden die Prinzipien der Rationalität und Effektivität entwickelt. Kosten-Nutzen-Rechnungen bestimmen das Denken. Das Erlangen von individuellem Vorteil und Gewinn wird zur Lebensmaxime. Jeder ist seines Glückes Schmied, und der Staat soll so weit wie möglich eingeschränkt und entmachtet werden. Das freie Spiel der Kräfte lenkt nicht nur den Markt, sondern auch die Gestaltung des Gemeinwesens. Alles, was den Menschen umgibt, wird zum möglichen Objekt der Ausbeutung.

5. Stufe (personalistisch) – ab ca. 1750 n.Chr.:

Die Person des Menschen erschöpft sich nicht in seiner ökonomischen Entfaltung. Dem Zwang zur Vorteilsmaximierung wird die kreative Entwicklung der vieldimensionalen Person entgegengesetzt. Der Kapitalismus wird als System der „Entfremdung“ kritisiert. Das Leben wird als einmalige Chance zur Selbstverwirklichung erkannt. Jeder Mensch gilt als unverwechselbar und einzigartig, in seinem Sosein wertvoll.

6. Stufe (systemisch) – ab ca. 1950 n.Chr.:

Die systemische Sichtweise geht über die Person hinaus. Hier wird erkannt, dass die Weiterentwicklung der Menschheit und die Lösung der Probleme, die sich auf diesem Weg ergeben, nur verfolgt werden können, wenn die komplexe Verflechtung der Motivationen und Interessen in ihrem Zusammenwirken erkannt werden. Die Einsicht in die Bedingtheit und wechselseitige Abhängigkeit jeder Handlung tritt in den Vordergrund. Alle sechs vorhergehenden Stufen werden in ihren Eigenheiten und Bedürfnislagen mit eingeschlossen, keine hat einen Machtanspruch über die anderen.

7. Stufe (universalistisch):

Die systemische Sichtweise kann in die Gesellschaft nur dann implementiert werden, wenn sie von integren Menschen vertreten und ausgeübt wird. Persönliche Integrität beruht auf der Einsicht in die Begrenztheit aller vorhergehenden Bewusstseinsstufen und ihrer Überwindung durch persönliche Transformation, unter anderem durch die Bewältigung und Auflösung der Ängste und Sehnsüchte, die alle anderen Stufen antreiben. Das Lebenszentrum wird in den Moment verlagert, und die Handlungen entspringen dem, was im Moment zu tun ist. Alle vorigen Bewusstseinsstufen finden Berücksichtigung, aber keine kann sich in den Vordergrund drängen und Dominanz ausüben.

Kommentare:

  1. Müsste bei Punkt 7 nicht als zweites Wort universalistisch stehen statt systemisch? LG

    AntwortenLöschen
  2. Danke für die Nachfrage, aber der Text meint, dass die systemische Sichtweise nur dann wirklich Verbreitung finden kann, wenn sie von Menschen mit universalistischer Einstellung vertreten wird, sonst, kann auch die systemische Sichtweise manipulativ verwendet werden.

    AntwortenLöschen