Samstag, 26. April 2014

Kaiserschnitt - die Geburtsmethode der Zukunft?

Kaiserschnitt ist eine riskante Form der Geburt. Es handelt sich dabei um einen schweren operativen Eingriff. Dennoch steigt die Zahl der Kaiserschnitte auf der ganzen Welt. In Österreich und Deutschland hat sie die 30%-Marke erreicht. Das liegt weniger daran, wie vielleicht Illustrierte von Prominenten berichten, dass die Frauen vermehrt selber einen Kaiserschnitt wünschen. Denn nur zwischen 3,7% und 14,7% hätten lieber einen Kaiserschnitt als eine natürliche Geburt. 

Risiken von Kaiserschnittgeburten


Nach der Kaiserschnittgeburt ist die Mutter damit belastet, die Operation zu verarbeiten, was einige Tage in Anspruch nimmt. Zu den möglichen Spätfolgen nach einem Kaiserschnitt zählen wie nach jeder Operation die Risiken von Wucherungen und Verwachsungen, die zu ständigen Unterbauchschmerzen führen können.
Zwar besteht auch nach einem Kaiserschnitt die Möglichkeit, das nächste Kind spontan zu gebären, doch ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Kaiserschnittes höher. Denn zum einen besteht die Gefahr, dass die Narbe während der Presswehen reißt. Auch ist bei einer Folgeschwangerschaft nach Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit etwas größer, dass die Plazenta ganz oder teilweise den Muttermund versperrt (Placenta praevia) oder sich nicht von alleine löst und unter Narkose entfernt werden muss. 


Mögliche Spätfolgen für die Mutter


Als mögliche Spätfolgen nach einem Kaiserschnitt sind wie nach jeder Operation die Risiken von Wucherungen und Verwachsungen gegeben, die zu ständigen Unterbauchschmerzen führen können. Es steigt auch bei einer weiteren Schwangerschaft das Risiko für eine Placenta accreta (krankhaft anhaftende Plazenta), also einer Plazenta, die übermäßig groß geworden und in die Gebärmutterwand hineingewachsen ist. Häufig liegt die Plazenta dann vor dem Muttermund (Placenta praevia). Sie löst sich nach der Geburt schwer oder gar nicht, und erhebliche Blutungen können die Folge sein. 


Mögliche Risiken für das Baby


Gelegentlich wird das Kind beim Kaiserschnitt verletzt. Es kann zu kleinen Schnitten oder Abschürfungen kommen. Studien belegen, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, häufiger Atemprobleme haben. Manchmal haben sie noch Fruchtwasser in der Lunge, was auch damit zusammenhängt, dass Wunschkaiserschnitte oft zu früh vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt werden. 


Mögliche Spätfolgen für das Baby


Eine norwegische Studie hat einen Zusammenhang zwischen dem Allergierisko bei Kindern und dem Kaiserschnitt hergestellt. Demnach haben Kaiserschnitt-Kinder von Müttern mit bekannten Allergien ein siebenfach erhöhtes Risiko, ebenfalls eine Allergie zu haben als Kinder, die vaginal geboren wurden
Zu früh auf die Welt geholte Kinder können sich oft schlechter anpassen, haben häufiger Atemprobleme, Probleme mit dem Blutzuckerspiegel und dem Temperaturhaushalt.

  • Fehlender Geburtsstress: Studienergebnisse lassen die Vermutung zu, dass Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Hormone, die bei einer natürlichen Geburt ausgeschüttet werden, häufiger unter Anpassungsstörungen wie verstärktem Schreien leiden. Mütter, die ihr Kind vaginal geboren hatten, reagieren demnach ausgeprägter auf das Schreien des Kindes.
  • Fehlende Keimbesiedelung: Bei einer vaginalen Geburt wird die Bakterienflora des Geburtskanals auf das Baby übertragen, seine Haut und sein Darm schneller mit wichtigen Bakterien besiedelt. Laut neuesten Studien haben Kaiserschnittkinder wegen der fehlenden Bakterien ein höheres Risiko für Übergewicht und Diabetes.
  • Komplikationen bei Folgeschwangerschaften: Möchte eine Frau nach einem Kaiserschnitt auf natürlichem Weg entbinden, ist das Risiko eines Gebärmutterrisses erhöht.
Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Kaiserschnittrate unter 15% zu halten, hat der Anteil der Kaiserschnitte in Brasilien beispielsweise schon 70% erreicht. In Österreich ist die Kaiserschnittrate von 1998 bis 2008 von 14,6%, was exakt der WHO-Empfehlung entspricht, auf 28,0% gestiegen. In einigen Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Steiermark und Tirol) wurde bereits die 30%-Marke erreicht.

Indikationen


Prinzipiell unterscheidet man zwischen einer absoluten Indikation, also einer Situation, in der ein Kaiserschnitt unbedingt notwendig ist, und einer relativen Indikation, also einer Situation, in der die vaginale  Geburt ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind darstellt. Nur 10% aller in Österreich durchgeführten Kaiserschnitt-Entbindungen erfolgen aufgrund einer absoluten Indikation, d.h. 9 von 10 Kaiserschnittgeburten müssten nicht stattfinden. Da aber das Spitalspersonal die möglichen Risiken minimieren möchte, wird schneller zur Entbindung mit Kaiserschnitt geraten, ohne dass die Folgen für Mutter und Kind vor allem auf der psychischen Ebene ausreichend berücksichtigt werden.



Alternative Hausgeburt?


Die Zahl der Hausgeburten liegt in Österreich bei 1,5%. Bei Klinikgeburten steht die Technik im Vordergrund, und "eine Geburt, die länger als acht Stunden dauert, gilt ja schon als pathologisch", so eine Hebamme in einem Interview im Standard

Geburtsschmerzen


Weiters sagt sie: "Der Geburtsschmerz wird gesellschaftlich abgelehnt: Bei der Geburt, so glauben viele, braucht es keinen Schmerz mehr. Dabei ist er ein wesentlicher Faktor, um gewisse Hormone auszuschütten und sozusagen alles zu mobilisieren. Diese angebliche Schmerzfreiheit wird von den Ärzten total propagiert. ... Wenn man den Sinn des Geburtsschmerzes verstehen lernt, dann kann man damit auch umgehen. Wer eine Geburt ohne schmerzstillende Mittel erleben kann, hat danach so etwas wie ein Glücksgefühl. Da ist dann eine Kraft vorhanden, die später immer wieder benötigt wird, wenn man ein Kind hat."

Freitag, 25. April 2014

Der Gutmensch und das Gute im Menschen

Gutmenschen haben einen schlechten Ruf. Wir trauen ihnen nicht wirklich über den Weg, denn der Verdacht hält sich hartnäckig, dass sie hinter der Maske ihrer Lammfrömmigkeit besondere Boshaftigkeit verstecken. Ein Hauptzweck der Schreibwut von Friedrich Nietzsche scheint in der Entlarvung des Bösen im scheinbar Guten, bzw. in der abgründigen Bosheit im plakativ Guten zu liegen.

Hier ein paar Zitate des Philosophen, der sich selbst als „bei weitem der furchtbarste Mensch, den es bisher gegeben hat", bezeichnet hat:

"Vielleicht gab es bisher keine gefährlichere Ideologie, keinen größeren Unfug in psychologicis als diesen Willen zum Guten: man zog den widerlichsten Typus, den unfreien Menschen groß, den Mucker" (Friedrich Nietzsche, Aus dem Nachlaß. Werke in drei Bänden: III, S. 798)

"Unsre Gebildeten von heute, unsre »Guten« lügen nicht - das ist wahr; aber es gereicht ihnen nicht zur Ehre! Die eigentliche Lüge, die echte resolute »ehrliche« Lüge (über deren Wert man Plato hören möge) wäre für sie etwas bei weitem zu Strenges, zu Starkes; es würde verlangen, was man von ihnen nicht verlangen darf, dass sie die Augen gegen sich selbst aufmachten, dass sie zwischen »wahr« und »falsch« bei sich selber zu unterscheiden wüssten." (Zur Genealogie der Moral - Was bedeuten asketische Ideale? Nr. 19)

„Die Existenz-Bedingung der Guten ist die Lüge -: anders ausgedrückt, das Nicht-sehn-Wollen um jeden Preis, wie im Grunde die Realität beschaffen ist, nämlich nicht derart, um jederzeit wohlwollende Instinkte herauszufordern, noch weniger derart, um sich ein Eingreifen von kurzsichtigen gutmütigen Händen jederzeit gefallen zu lassen." (Ecce Homo - Warum ich Mensch bin. Nr. 4)

Das demonstrativ zur Schau getragene Gutsein dient einer moralischen Überheblichkeit, die häufig durch ein strenges Selbstregime gerechtfertigt und aufrechterhalten wird. Das Vorbild, das sich der Gutmensch selbst abringt, wird das anderen vor die Nase gehalten. So sollen die anderen auf ihre Mangelhaftigkeit und Schlechtigkeit aufmerksam gemacht und Schuldgefühle in ihnen wachgerufen werden. Das ist der Lohn für die Kasteiungen, die sich der Gutmensch auferlegt.

Hierher passt die Figur von Professor Lindner im „Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil. Von ihm heißt es: „Überhaupt verwandelte Lindner schlechthin alles, womit er in Berührung kam, in eine sittliche Forderung" (1051). Folglich bekommt er ironisch den Titel „der Tugut".

Zu all dem verkündet Bert Brecht spöttisch: "Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlecht/gut/schlau/anspruchsvoll genug." (In der Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Planens aus der Dreigroschenoper). In keiner Weise reicht der Mensch für das Leben, das immer mehr von ihm fordert, als er in seiner Beschränktheit zusammenbringt.


Kleine Ethik des Guten


Was ist denn nun das "wirkliche", "echte", "eigentliche" Gute am Menschen? Gibt es so etwas überhaupt? Sobald wir etwas Gutes tun, um unseren Mitmenschen zu signalisieren, dass wir gute Menschen sind, rutschen wir gleich in die Kategorie der Selbstsüchtigen. "Tue Gutes und sorge dafür, dass jeder davon erfährt," ist eben ein Slogan für den großzügigen Sponsor, der sich erwarten kann, dass seine Großzügigkeit seiner eigenen Brieftasche am meisten bringt. Folgerichtig wird er nur solange Gutes tun, solange der geschäftliche Gewinn gegeben ist.

Wenn ich also Gutes tue, um mit dieser Tat etwas (oder sogar mehr) Gutes für mich selber einzuheimsen, ist zwar meine Tat gut, aber nicht meine Motivation. Die Welt wird auf der einen Seite in Stück besser, weil z.B. ein Waisenhaus gebaut wird, und sie wird auf der anderen Seite ein Stück schlechter, weil jemand das Gute für das Aufpolieren des eigenen Egos missbraucht.

Das Gute, das geschieht, wenn es guttut, Gutes zu tun, ist die beste Verwirklichung unseres Selbst. Es gelingt uns, wenn wir uns ganz auf den Moment des Geschehens beziehen und weniger auf uns als Handelnde schauen, als vielmehr auf das, was durch uns hindurch abläuft. Wir sind es ja nicht selber, die uns gut machen, sondern etwas Tiefes in uns meldet sich, das sich durch uns hindurch vollzieht.

Es gibt Gutes, das wir tun, weil es für uns selber im Moment das Beste ist, was wir tun können. Wir tun es für uns genauso, wie wir es für die andere Person tun, aber wir tun es nicht für uns, weil wir nach einem zusätzlichen Gewinn trachten, sondern weil es sich für uns selber als stimmig anfühlt. Es ist also in sich selber lohnend, und wenn wir den Lohn gleich im Tun bekommen und anerkennen, brauchen wir keinen Zusatznutzen. Unser Handeln ist dann nicht von der Erwartung auf einen zukünftigen Ausgleich gesteuert (auch nicht nach einem solchen in einem Jenseits oder in einem weiteren Leben). Es ist in sich selbst und mit sich selbst zufrieden und erfüllt. Wenn wir merken, dass wir bis zum Rand voll sind, fordern wir nichts dazu, und wir sind frei von Erwartungen.

Nicht einmal ein erwartbarer Dank ist in irgendeiner Weise eine Voraussetzung für unser Handeln. Wenn wir etwas für das, was wir getan haben, zurückbekommen, ist das etwas Gutes, das uns der andere Mensch gibt, und nicht etwas, das unserer Handlung erst den Gewinn gibt. Der Dank der beschenkten Person schließt den sozialen Zirkel, weil damit die Person, die Gutes empfangen hat, in keiner Schuld bleibt, sodass wir uns frei und gleich, auf Augenhöhe, begegnen können.

Selbstlosigkeit ist dann keine Tugend, sondern ein Fließen aus unserem Sein, aus dem, was wir eigentlich, oder im tiefsten unserer Seele sind. Damit sind wir nicht in einem Zirkel von Geschäft und Gegengeschäft verstrickt, sondern bleiben ganz mit dem Tun und Geschehen im Moment verbunden, an dem wir uns erfreuen und das wir genießen, unabhängig von dem, was als nächstes und übernächstes darauf folgen wird oder nicht.

Wir nehmen dabei auch keine Haltung oder Rolle ein, wir spielen nicht den Gutmenschen, weil unser Handeln aus dem Moment entspringt und im nächsten Moment wieder in sich zusammenfällt. Es ist schon wieder verschwunden, denn etwas anderes hat seinen Platz eingenommen. Unser Handeln hinterlässt keine sichtbaren Spuren, keine Duftmarken in der Landschaft. Wir brauchen keinen Nachruhm und keine protzigen Grabmäler, keine Straßen und Plätze, die nach uns benannt werden, und keine Gedenkgottesdienste. Wir gehen in Freiheit und Leichtigkeit von einem Moment in den nächsten.

Diese Form des Guten hat nichts mit Leistung gemeinsam, es ist keine Tugend, die wir uns gegen die schier übermächtigen Befehle unserer Triebe abringen müssen, sondern Ausdruck dessen, was wir im Innersten wollen. Wir sind so gebaut, dass wir einander Gutes tun wollen, und deshalb tut uns das selber gut. Wir nutzen die Systeme in unserem Gehirn, die für Verständigung, Empathie und Mitgefühl zuständig sind, und deren Verwendung setzt zugleich Glückshormone und -botenstoffe frei. Damit belohnen wir uns unmittelbar selbst durch unser gutes Handeln. Wir brauchen uns nur diesen Zusammenhang, den uns unsere menschliche Natur zur Verfügung gestellt hat, bewusst zu machen, dann können wir uns leicht von den äußerlichen Belohnungserwartungen lösen, die den Sinn unseres Handelns an zukünftige Ereignisse knüpfen. Damit ist die Sinngebung unseres Tuns ganz unserer Kontrolle entzogen. Statt dessen können wir den Sinn der Handlung in ihr selbst erleben und aus ihr heraus annehmen, sobald wir anerkennen, dass wir uns selber Gutes tun, indem wir anderen Gutes tun.

Wir sind dann in Übereinstimmung mit uns selbst. Offenbar ist es so, dass wir nur ganz mit uns eins sein können, wenn wir gut mit anderen Menschen verbunden sind. Und gut sind wir mit ihnen verbunden, wenn wir ihnen Gutes tun und vermeiden, ihnen Schaden und Leid zuzufügen.


Anderen zu schaden, schadet uns selber


Haben wir dagegen jemandem Schaden zugefügt, kann es uns damit nicht gut gehen. Es verschafft höchstens uns eine kurzzeitige Befriedigung. Der Betrüger mag sich am Erfolg seiner Täuschung und dem Gewinn, den er daraus gezogen hat, erfreuen. Doch zugleich leidet er an dem Schaden, den er angerichtet hat, ob er das für sich selbst spüren mag oder nicht. Kein Mensch kann durch Leid, das er anderen zufügt, zu Entspannung und innerem Frieden finden. Gleich ob Strafen für ein verbrecherisches Handeln drohen oder die Aufdeckung äußerst unwahrscheinlich ist, bleibt ein Stress, eine innere Anspannung, weil das eigene Handeln aus einer Angst entsprungen ist und diese Angst nicht auflöst. Dazu kommt, dass der Täter, wie unbewusst auch immer, mit seinem Opfer verbunden ist und dieser Verbindung nicht entrinnen kann. Er wird nie wieder frei, außer das Opfer vergibt ihm und es kommt zu einer Wieder-Gutmachung.

Deshalb gehört es auch zum guten Leben, denen, die uns geschadet und verletzt haben, zu vergeben, damit befreien wir uns und auch den Täter von einer Last der Vergangenheit. Und auch hier ist es wieder so, dass wir eine Vergebung nicht deshalb zustande bringen, weil wir ein guter Mensch sein wollen, sondern weil sich unser Inneres von einer Last befreien will und aus dieser Kraft den Schritt tun kann. Wir können uns also nicht zu einer Vergebung zwingen, wenn wir noch grollen und unsere Wunden spüren. Erst wenn die innere Heilung erfolgt ist, ergibt sich natürlich der Weg zur Vergebung.

Hier kommen wir noch einmal zurück zum Gutmenschen. Er ist in ein Netz von selbstbezüglichen Erwartungshaltungen verstrickt, die aus einem inneren Mangel stammen. Unerfüllte Bedürfnisse aus der eigenen Kindheit werden umgemünzt in ein angepasstes Verhalten, das die Belohnung und Befriedigung aus einem angestrengten ausdauernden Gutsein-Wollen erzwingen will. Seine guten Handlungen dienen also der Füllung der eigenen Bedürftigkeit.


Das Gute und die innere Freiheit


Wir verstehen jetzt, dass es beim Tun des Guten nicht auf die Pose ankommt, auf die äußere Haltung. Das Gute kann nur aus innerer Freiheit entspringen. Eine gute Handlung liegt gar nicht in unserer Macht, sondern sie geschieht von selber, wenn wir uns im Zustand dieser inneren Freiheit befinden.

Was wir tun können, ist, immer wieder nach Wegen zu suchen, uns aus den Fängen der Selbstbezüglichkeit zu lösen. Dann sind wir weder gut noch schlecht genug für diese Welt, sondern sind ein Teil ihres Wirkungsnetzes, das aus seinen untergründigen Quellen immer wieder das Wachsen von Kreativität und innerer Freiheit speist.

Montag, 21. April 2014

Verbindungen zwischen Missbrauch und Alkoholkonsum

College-Studenten, die Symptome der posttraumatischen Stressbelastung aufweisen, trinken mehr Alkohol als ihre Kommilitonen, belegt eine Studie, die im Februar 2014 im Journal of Abnormal Psychology erschienen ist.

Zusätzlich zu den Problemen, die bekannterweise mit Alkoholmissbrauch verbunden sind, verschlimmert der gesteigerte Alkoholkonsum die Symptome von PTSB, wie die Studie belegt.

Rayne E. Golay,Psychotherapeutin und Autorin des preisgekrönten Buches "The Wooden Chair", in dem der posttraumatische Stress von missbrauchten und vernachlässigten Kindern beschrieben ist, meint: "Die Studie identifiziert nicht, welche Traumen die Stressstörung verursacht haben, aber es kann sicher angenommen werden, dass ein Gutteil von den Betroffenen Überlebende von Kindesmissbrauch und/oder -vernachlässigung sind."

Alkoholmissbrauch der Eltern ist oft ein Faktor für Kindesmissbrauch und -vernachlässigung. Das ist verbunden mit dem Risiko, dass die Kinder als Erwachsene dann ihr Verhalten an dem der Eltern ausrichten - den Alkoholkonsum mit eingeschlossen. Golay, die auf Suchtberatung spezialisiert ist, erklärt, dass sie in ihren vielen Jahren in dieser Tätigkeit immer wieder auf eine verbreitete Irrmeinung unter alkoholischen Eltern gestoßen ist: Sie glaubten alle, dass ihr Trinken niemand anderen als sie selbst beträfe. "Das stimmt einfach nicht. In einer Wohnung mit einem Elternteil als Alkoholiker leiden alle, und die verletzlichsten sind die Kinder", sagt Goley, "sie leben in einer unsicheren und instabilen Umgebung, und weil das Verhalten von alkoholkranken Eltern nicht vorhersehbar und furchterregend ist, lernen die Kinder, fortwährend auf der Hut zu sein."

Damit wird die Grundlage für einen Teufelskreis gelegt: Die Kinder erwerben früh ein chronisches Stressmuster. Als Jugendliche ahmen sie das Verhalten der Eltern nach, das diese vorlebten: Alkohol zu trinken, um scheinbar den inneren Stress zu bewältigen.

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Sonntag, 20. April 2014

Das N-Wort und die politische Korrektheit

Mit politischer Korrektheit wird seit ein paar Jahrzehnten der Standard für eine nicht-diskriminierende Verwendung von Worten gekennzeichnet. Wir haben alle im Lauf unseres Aufwachsens Worte gelernt, die heute nicht mehr in diesem Sinn als korrekt gelten: Zigeuner, Eskimos und eben Neger, weil sie von den betroffenen Personen als abwertend oder beleidigend empfunden werden.

Konservative Menschen haben ihre Schwierigkeiten mit Änderungen.  Sie hätten gerne, dass alles so bleibt, wie es ist. Sie finden es als Zumutung, dass sie sich an neue Standards anpassen sollen. Sie pochen auch auf die Redefreiheit: Jeder Bürger ist und bleibt frei in der Rede, also braucht es keine „Sprachpolizei“ und keine Sprachrichter, die mittels Strafen das korrekte Reden erzwingen.

Allerdings geht es nicht um eine autoritäre Sprachnormierung wie etwa bei Orwell mit dem in 1984 geltenden newspeak („Neusprech“). Im Gegenteil: Korrektes Sprechen beinhaltet die Rücksichtnahme auf Empfindlichkeiten und Verletzbarkeiten. Es geht also nicht um Vorschriften, sondern darum, öffentliches Sprechen mit Verantwortung zu verbinden. Jeder darf reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und jeder trägt eine Verantwortung für das Gesprochene. Worte, die als diskriminierend, ausgrenzend, abwertend verstanden werden, können beleidigen, können also anderen Menschen Leid zufügen. Füge ich jemandem unabsichtlich Leid zu, dann trage ich meine Verantwortung dafür, wenn ich mich entschuldige. Füge ich jemandem absichtlich Leid zu, dann bin ich ein Täter („üble Nachrede“ usw.) im schlimmsten Fall ein Verbrecher („Rufmord“). Die Rechtfertigung wird schwieriger. Da genügt dann nicht mehr das trotzige Beharren darauf, „nichts Böses gemeint zu haben“.

Denn Worte sind nicht einfach nur konventionell aneinander gereihte Buchstaben, sondern sind immer mit Emotionen und Geschichten verbunden, bei denen, die sie aussprechen, und bei denen, die sie hören. Deshalb ist der Wortgebrauch sensibel und erfordert Rücksichtnahme auf den Gesprächspartner. Wenn jemand öffentlich redet, z.B. ein Politiker in einem Medium, ist die Rücksichtnahme auf alle potentiellen Hörer notwendig und mit einer besonderen Verantwortung verbunden. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte in solchen Zusammenhängen nicht auftreten und auch kein öffentliches Forum bekommen.

Seit die Zusammenhänge bekannt sind, trägt das „N-Wort“ die gesamte Geschichte der Unterdrückung und Versklavung von Millionen Menschen aus Afrika in sich. Wer es verwendet, vertritt die Verachtung und Überheblichkeit der Weißen gegenüber den Schwarzen und rechtfertigt das Unrecht, das den Afrikanern zugefügt wurde und zugefügt wird.

Wir können diesem Kontext, der sich um das Wort herum gebildet hat, nicht mehr entkommen. Wenn wir heute ein altes Kinderbuch in die Hand nehmen, in dem z.B. von Negern und Negerinnen die Rede ist, dann müssen wir heutzutage unweigerlich die historische Schuld der Weißen an den Schwarzen mitdenken. Damit tragen wir unser historisches Gewissen mit Verantwortung.

Einübung in die Verantwortungslosigkeit und Dummheit


Schlimm ist nicht, wenn jemand die Zusammenhänge noch nicht gelernt und verstanden hat. Schlimm sind die Verweigerung des Lernens und das trotzige Beharren auf der Verwendung des N-Wortes, weil man ja nichts Böses damit meine. Abgesehen davon, dass in der Behauptung selbst schon etwas Böses mitschwingt, und abgesehen davon, dass das Meinen immer auf einer Selbsttäuschung beruhen kann, ist es fahrlässig und gemein-gefährlich, das Wort zu verwenden, weil es gerade bei den Adressaten und Hörern, die selber nicht schwarz sind, deren negative Stereotype aktivieren und verstärken kann. Also auch wenn ich als naiver Sprecher eine blütenweiße innere semantisch Weste trüge, die mit dem N-Wort sympathische, liebenswerte und intelligente Menschen verbindet, muss ich davon ausgehen, dass der Verwendungszusammenhang und emotionale Hinterhof des Wortes bei anderen Zeitgenossen ganz anders bis gegenteilig gelagert sein kann. Aber das mag ja durchaus die eigentliche Absicht sein, wenn Politiker vom rechten Rand solche Ausdrücke verwenden:  die schon vorhandenen negativen Vorurteile warmzuhalten und zu verstärken, um Menschen auszugrenzen.

Warum wehrt sich nun jemand dagegen, ein emotional geladenes Wort („Neger“) durch ein anderes neutrales („Schwarzer“, „Afroamerikaner“...) zu ersetzen? Weil er auf die Emotionen nicht verzichten will, die mit dem Wort verbunden sind: Fremdheit, Misstrauen, Vorsicht, Angst, Verachtung. Kleinen Kindern macht Fremdes, Ungewohntes Angst. Wenn sie das erste Mal einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe sehen, kann sie das irritieren (wie schwarze Kinder, die erstmals jemanden mit weißer Hautfarbe treffen). Wenn die Erwachsenen in der eigenen Umgebung die Irritation bestätigen, kann sich ein Vorurteil einprägen, das dann hartnäckig bestehen bleibt, auch wenn keine negativen Erfahrungen mit Menschen mit anderer Hautfarbe gesammelt werden. Der rational denkende Erwachsene kann allerdings die eigenen Vorurteile überprüfen und damit entmachten.

Wer auf seinem Vorurteil beharrt, will auf der kindlichen Wahrnehmungsstufe verharren. Er weigert sich, die erwachsenen Möglichkeiten der vernünftigen Prüfung der eigenen Vorurteile und des eigenen Sprachgebrauchs zu nutzen. Er weigert sich damit, Neues zu lernen und im Denken flexibler zu werden. Gemeinhin nennen wir eine derartige Selbstverurteilung zu geistiger Starrheit Dummheit, verbunden mit Borniertheit.

Der Hausverstand ebenso wie die Gehirnforschung bestätigen, dass es gesund ist, geistig in Bewegung zu bleiben. So bedeutet jedes Beharren auf Lernunwilligkeit das Einüben und die Vorbereitung auf den Leistungsabbau der grauen Substanzen im Kopf, also auf Demenz und/oder Alzheimer. Hören wir also auf, solche Menschen als Vorbilder oder als wählbare Politiker anzusehen, die uns mit ihrer Dummheit und geistigen Verarmung beeindrucken wollen.

Jeder ist in unserer Gesellschaft frei, an seiner eigenen Verdummung zu arbeiten und Beschränktheit zum Lebensprinzip zu machen. Peinlich wird es dort, wo solches Verhalten im Rahmen demokratischer Freiheit öffentlich gefördert wird, öffentliches Auftreten möglich wird, und solche Menschen Volksvertreter werden, denn das heißt, dass, nach Sympathiewerten und Wahlergebnissen, 20 - 30% der Wähler in unserem Land solcher geistiger Selbstverstümmelung zustimmen können.

Politische Korrektheit ist Teil der weltbürgerlichen Sprachkompetenz. Sie ist damit eine Grundlage dafür, dass wir als Menschheit eine Gemeinschaft auf der Basis von gegenseitigem Respekt bilden können. Wir brauchen eine solche Gemeinschaft, um die gegenwärtigen und zukünftigen Probleme unserer Welt zu lösen.

Montag, 7. April 2014

Die Ressource Wasser und die Ausweglosigkeit der Egoismen

Der Artikel könnte auch heißen: Das Elend der Welt und warum sich nichts ändern will.

Ein aus unserer Sicht möglicherweise kleines Beispiel, das die problematische Situation aufzeigt, in der sich die Menschheit befindet, ist die Wasserversorgung der Hochebene von Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Dort leben mehrere Millionen Menschen, Tendenz stark steigend. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 250 mm. Das Wasser wird mittels Brunnen aus dem Grundwasser gewonnen, jedoch wird jährlich ein Drittel mehr Wasser verbraucht, als sich auf natürliche Weise erneuert. So sinkt der Grundwasserspiegel jedes Jahr um 6 bis 8 Meter, und die Brunnen müssen teilweise schon bis 2000 m Tiefe gegraben werden. Doch das hilft alles nichts, weil in absehbarer Zeit – die Experten sprechen von ein paar Jahren – die Grundwasservorräte aufgebraucht sind, und dann gibt es einfach kein Wasser mehr in dieser Region. Dazu kommen die Einschätzungen der Klimaexperten, die davon ausgehen, dass das Land besonders von der globalen Erwärmung betroffen sein wird, was zu noch größerer Trockenheit führen wird.

Als ich diese Daten erfahren habe, habe ich mich gefragt: Was soll dann dort mit den Menschen geschehen, wenn es kein Wasser mehr gibt? Sollen sie in wasserreichere Gegenden abwandern? Wo gibt es noch solche, in denen diese Millionen Platz finden? Soll die Region mit entsalztem Meerwasser bewässert werden? Wer zahlt die enormen Kosten? Das Land ist auf dem 160. Rang des Human Development Index bei einem Bruttoinlandsprodukt/Kopf von 1580 $ – dazu im Vergleich Österreich: 50 600 $ (2013). Der Jemen muss 75 % seiner Lebensmittel einführen, was zu einer stetig steigenden Staatsverschuldung beiträgt. Also ein bettelarmes Land, das in absehbarer Zeit zusätzlich noch von einer massiven Wasserkrise betroffen sein wird.

Oder wird die Weltkulturerbe-Stadt Sanaa in eine touristische Geisterstadt umgewandelt, und das Wasser für die WC-Spülungen und den Morgenkaffee der kulturbeflissenen Weltreisenden wird, wie unsere Wintererdbeeren, tagtäglich eingeflogen? Für ein paar Arbeitsplätze für Einheimische sollte es ja reichen.

Ein Beispiel von vielen, wo die bisherigen Strategien, das Überleben zu sichern, an natürliche Grenzen stoßen. Es gibt aber für alle diese Probleme auch Lösungen. Nur kosten sie, und die Kosten können in vielen Fällen nicht dort aufgebracht werden, wo das Problem entsteht. Wir könnten uns hier in Debatten darüber verstricken, wer denn daran schuld wäre: In unserem Beispiel: was haben die Jemeniten in ihrer Wasserwirtschaft falsch gemacht? Oder: Wenn tatsächlich der Klimawandel der Hauptfaktor des Wasserproblems ist, welchen Anteil tragen da die hochentwickelten Industrienationen?

Allerdings bringen uns solche Diskussionen nicht weiter, weil die Interessen hinter den Argumenten zu massiv sind und alle Betroffene, nämlich alle Regierungen der Welt, sich die Schuld gegenseitig zuschieben, worin sie schon große Übung haben. Schuld ist offenbar keine nützliche Kategorie für die Problemlösung. Solange allerdings die Entscheidungsträger in diesen Kontexten denken, wird alles so bleiben, wie es ist (vgl. den aktuellen (Still-)Stand der Nahost-„Friedens“-Verhandlungen).

Schleifen des Egoismus


Das bedeutet, dass die Entscheidungsinstitutionen geändert werden müssen. Regierungen sind ihrer Bevölkerung verantwortlich und müssen sich nach deren Stimmungsschwankungen, Vorurteile und Ängste richten. Deshalb verzichten nationale Regierungen zumeist auf globales Denken und verbannen das solidarische Handeln in den privaten karitativen Bereich. Sollen eben die Leute Geld spenden, diejenigen, die noch ein schlechtes Gewissen haben und es erleichtern wollen. Die Zyniker haben die Welt ohnehin schon abgeschrieben und die Tellerrandfixierten denken nicht weiter als bis zur nächsten Mahlzeit. In diesem Zusammenhang darf es nicht verwundern, wenn es eines der reichsten Länder der Welt, Österreich, noch großzügig findet, 500 von 2 Millionen syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge aufzunehmen.

Nationale Politik ist in den Wechselkreisläufen der Egoismen gefangen, wie es scheint, unentrinnbar. Politiker sind an Macht interessiert, die sie verwalten können, solange sie sie innehaben. Dazu bemühen sie sich, die Ängste der Menschen zu bedienen, z.B. diejenigen aller Eltern vor der Zahnspangenrechnung für ihre Sprösslinge. Andere Gruppen, denen sie etwas abknöpfen, wie z.B. den Sekttrinkern, werden sie als Wähler verlieren. Was die Machthaber aus den Satteln werfen kann, sind Katastrophen, mit denen sie nicht mehr recht kommen, wie jene der Finanzwelt. Doch treten dann in der Regel Politiker anderen Couleurs und gleichem oder noch schlimmeren Charakters an ihre Stelle.

Die Menschen fordern von der Politik die Förderung ihrer egoistischen Interessen, also die Mehrung ihres Wohlstandes und ihrer Sicherheit, und die Politiker nutzen in ihrem Egoismus die Macht, die sie kriegen, um diese abzusichern. Dieser nationale Kreistanz der Egoismen funktioniert ungehemmt weiter, trotzdem oder gerade weil die nationalen Belange tendenziell immer mehr von den übernationalen Entscheidungsgremien der EU überreguliert werden.

Übernationale Entscheidungsgremien oder Katastrophenmanangement


Solche Engstirnigkeiten, von denen die Welt randvoll ist, belegen klar, worin die Perspektive zu finden ist: die einzelnen Regierungen müssen entmachtet und statt dessen globale Institutionen ermächtigt werden. Die Entscheidungsbefugnisse müssen also auf Gremien verlagert werden, die zwar in ihrer Machtausübung und Entscheidungsfindung genau kontrolliert werden, deren Willensbildung aber nicht von den Egoismen einer Wählerschaft abhängig zu sein, die blind jenen ihre Stimme gibt, die ihr noch mehr Anteil am Kuchen versprechen.

Mit jeder lokalen Katastrophe, die lokal nicht mehr gelöst werden kann, steigt der Druck, die Entscheidungsstrukturen dieser Welt radikal zu ändern. Es braucht mächtige weltweit wirkende und planende Institutionen, die über den nationalen Egoismen stehen und die Ressourcen von dort, wo sie im Übermaß vorhanden sind, nach da zu lenken, wo ein gravierender Mangel besteht. Das läge in unseren Händen, dahin müsste sich die Willensbildung entwickeln.

Die Alternative ist nämlich, dass die Desaster die Führung übernehmen: Wenn die Millionen aus der Sanaa-Ebene in die Welt hinaus strömen, verzweifelt auf der Suche nach Wasser, wenn das destabilisierte Klima zu noch massiveren Zerstörungen führt, wenn der österreichische Wintertourismus mangels Schnee zusammenbricht usw.

Können wir es zulassen, dass Länder wie Bangla Desh oder Malediven einfach im Meer untergehen? Wie können wir es verhindern? Es braucht eine Trendwende, die ein radikales Umdenken und Umorientieren erfordert.

Es gibt die kleine Minderheit in den hochentwickelten Ländern, die versucht, umwelt- und ressourcenschonend zu leben, abgesichert durch ein hohes Wohlstandsniveau. Sie hat diese Wende schon ansatzweise vollzogen und setzt damit beispielhafte Zeichen, allerdings mit nur winzigem Einfluss auf die großen Trends. Die Ängste sind zu massiv, die die Menschen davon abhalten, die Augen zu öffnen und an die Zukunft der Kinder und Enkelkinder zu denken.

Das Umdenken, das notwendig ist, um der Menschheit zu ermöglichen, ihre eigenen Geschicke wieder in die Hand zu nehmen, ist umfassend. Denn es erfordert ein Abgehen von den Maximen der kapitalistischen Wachstums- und Leistungsorientierung, die den Menschen tief eingeimpft sind. Es bedeutet, dass wir lernen müssen, mit weniger auch zufrieden leben zu können. Wohlstand muss nicht permanent steigen, der Konsum an Waren kann auch zurückgehen, das, was wir schon haben, kann auch mehr genossen werden, bevor es durch immer wieder Neues ersetzt werden muss. Das Umdenken bedeutet auch, die Tugend des Teilens nicht auf unsere nächsten Verwandten und Freunde zu beschränken, sondern auf die ganze Menschheit auszuweiten. Schließlich haben wir nur diesen einen Planeten, auf dem wir im Weltall unterwegs sind und der so viel Schönes hat, dass es wirklich jammerschade wäre, wenn wir ihn in den Schleifen der Egoismen zugrunde richten.

Literatur:
Reiner Klingholz: Sklaven des Wachstums. Campus Verlag 2014
Frank Kürschner-Pelkmann: Das Wasser-Buch: Kultur, Religion, Gesellschaft, Wirtschaft. Verlag Lembeck 2007